Ratgeber · Stand: September 2026

Digitalen Produktpass im Shopify-Shop einrichten: der praktische Leitfaden

Shopify-Händler starten beim Digitalen Produktpass mit einem echten Vorteil: Die Produktdaten liegen bereits strukturiert und an einer einzigen Stelle. Dieser Leitfaden zeigt in fünf Schritten, wie daraus veröffentlichte Produktpässe werden – vom Import über die fehlenden Pflichtangaben bis zum QR-Code auf dem Etikett.

Warum der Einstieg über Shopify einfacher ist

DPP-Projekte scheitern selten an der Technik, fast immer an der Datenlage: Artikelstammdaten liegen in drei Systemen, Varianten sind uneinheitlich gepflegt, und niemand weiß, welche Materialangabe die aktuelle ist. Shopify-Händler starten hier mit einem Vorsprung – der Katalog ist bereits strukturiert, vollständig und an einer Stelle: Produkte, Varianten, SKUs, Barcodes, Bilder. Genau darauf setzt ein Produktpass auf.

Der Rest ist Handwerk. Dieser Leitfaden führt durch fünf Schritte – Import, Pflichtangaben, Produktseite, QR-Codes, Pflege – und durch die Sonderfälle, an denen Shopify-Projekte hängen bleiben: Varianten, Metafelder, mehrere Märkte, Dropshipping. Was ein Produktpass überhaupt ist, erklärt der große DPP-Ratgeber; hier geht es ausschließlich um die Umsetzung im Shop.

Was Sie vorher klären sollten

Drei Fragen entscheiden über Umfang und Zeitplan. Klären Sie sie, bevor Sie eine App installieren.

Welche Produktgruppe? Die DPP-Pflicht knüpft am Produkt an, nicht am Shop. Führen Sie Textilien, Möbel, Reifen, Matratzen, Spielzeug, Elektronik oder Batterien, sind Sie betroffen – und zwar pro Sortimentsteil zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Welche Rechtsgrundlage? Für die meisten Konsumgüter ist es die Ökodesign-Verordnung (ESPR), für Akkus die EU-Batterieverordnung, für Spielzeug die neue Spielzeugverordnung. Die Rechtsgrundlage bestimmt, welche Pflichtfelder Ihr Pass enthalten muss.

Welcher Stichtag? Der Batteriepass steht mit dem 18. Februar 2027 fest, die ESPR-Gruppen folgen gestaffelt. Wie viel Zeit Ihnen konkret bleibt, rechnet der ESPR-Fristen-Checker aus; welche Felder für Ihre Produktgruppe zusammenkommen, zeigt der DPP-Konfigurator.

Dropshipping, Eigenmarke und Import

Bevor Sie Daten sammeln, klären Sie eine Frage, die im Shopify-Umfeld überraschend oft falsch beantwortet wird: Müssen Sie den Pass überhaupt selbst erstellen? Die ESPR unterscheidet Rollen, und der Unterschied zwischen ihnen ist der Unterschied zwischen einem Projekt und einem Handgriff.

  • Reines Dropshipping fremder Markenware. Sie sind Händler. Den Pass erstellt der Hersteller; Ihre Pflicht ist, ihn im Angebot zugänglich zu machen und keine betroffenen Artikel ohne Pass zu listen. Das ist Prozessarbeit, keine Datenerhebung.
  • White Label, Private Label, Print-on-Demand. Sie sind Hersteller – auch wenn Sie das Produkt nie in der Hand hatten. Die Herstellerrolle hängt am Etikett, nicht an der Produktion. Wer unter eigener Marke verkauft, trägt die vollständige Passpflicht inklusive Materialanteilen, Herkunft und Zertifikaten.
  • Direktimport aus einem Drittland. Sie sind Importeur und müssen prüfen, dass ein konformer Pass existiert. Steht Ihre Marke darauf, sind Sie zusätzlich Hersteller.

Fall zwei ist im Shopify-Umfeld der Normalfall – und der Engpass liegt dann nicht bei der Software, sondern beim Lieferanten. Viele Dropshipping- und POD-Anbieter liefern bislang keine prozentgenauen Materialangaben, keine Produktionsstandorte und keine Zertifikatskopien. Klären Sie das vertraglich vor dem Stichtag: Ein Lieferant, der diese Daten nicht liefern kann, ist eine Beschaffungsentscheidung, kein Softwareproblem. Welche Rolle welche Pflichten auslöst, ordnet der Ratgeber Wer ist für den DPP verantwortlich? ein.

Welche Daten Shopify liefert – und welche fehlen

Die häufigste Fehleinschätzung lautet: „Die Daten stehen doch schon im Shop.” Teilweise stimmt das. Entscheidend ist aber die Unterscheidung zwischen Feldern, die Shopify inhaltlich befüllt, und Feldern, für die Shopify lediglich einen Ablageort anbietet – ein leeres Metafeld ist keine Datenquelle.

DatenfeldKommt aus ShopifyMuss ergänzt werden
Produktname / TitelJa, ProdukttitelGgf. eine eindeutige Modellbezeichnung, wenn der Shop-Titel Marketingsprache ist
SKU / ArtikelnummerJa, je VarianteNichts, sofern eindeutig vergeben
GTIN / BarcodeJa, Feld „Barcode” je VarianteIn der Praxis oft leer oder mehrfach vergeben – vor dem Import bereinigen
VariantenJa, Optionen wie Größe und FarbeDie Entscheidung, welche Variante einen eigenen Pass braucht
PreisJaNichts – der Preis ist kein Pflichtfeld des Produktpasses
ProduktbilderJa, Medien je Produkt und VarianteGgf. Detailaufnahmen von Etikett oder Kennzeichnung
MaterialzusammensetzungTeilweise, je nach Kategorie als Attribut der Shopify-Produkttaxonomie – aber als EinzelwertProzentgenaue Zusammensetzung je Komponente, aus Techpack oder Lieferantenspezifikation
Herkunft / ProduktionsstandorteTeilweise, Versandfeld „Ursprungsland” je VarianteDas ist die zollrechtliche Herkunft, nicht die Produktionskette – Fertigungs- und Vorstufenstandorte kommen vom Lieferanten
ZertifikateNeinTyp, Nummer, ausstellende Stelle, Laufzeit – aus dem Zertifikatsdokument
RezyklatanteilNeinBestätigung des Lieferanten oder Materialdatenblatt
PflegehinweiseTeilweise, meist als Fließtext in der BeschreibungStrukturierte Angabe statt Prosa
EntsorgungshinweisNeinEigene Angabe je Produktgruppe, ggf. Rücknahmehinweis
CO₂-AngabenNeinBerechnung nach definierter Methodik – kein Wert, den man schätzt

Die Tabelle zeigt die realistische Aufwandsverteilung: Die Identität des Produkts liefert Shopify weitgehend fertig, die Substanz des Produktpasses fast gar nicht. Das ist keine Schwäche von Shopify – ein Shopsystem ist für den Verkauf gebaut, nicht für die Lieferkettendokumentation.

Schritt 1: Produkte und Varianten importieren

Der Import ist technisch der einfachste Schritt. Shopify liefert Produktebene (Titel, Anbieter, Produkttyp, Bilder) und Variantenebene (SKU, Barcode, Optionen, Gewicht, Ursprungsland). Diese Struktur bildet das Gerüst Ihrer Produktpässe.

Zwei Aufräumarbeiten lohnen sich vorher. Prüfen Sie erstens, ob das Barcode-Feld Ihrer Varianten sauber mit GTINs gefüllt und nicht mehrfach vergeben ist – die eindeutige Kennung ist der Anker, an dem der Pass hängt, und ein doppelter Barcode fällt spätestens beim Druck auf. Prüfen Sie zweitens Vendor und Produkttyp: Sind die Werte einheitlich, bilden sie die Produktfamilien, über die Sie Daten später gebündelt erheben.

Varianten: ein Pass pro Modell oder pro Variante?

Das ist die Frage, an der Shopify-DPP-Projekte kippen – und die generische Ratgeber regelmäßig falsch beantworten, weil sie „Farbvarianten teilen sich einen Pass” als Faustregel ausgeben. Das Gegenteil ist häufiger richtig.

Ein Produktpass beschreibt ein Modell, eine Charge oder ein Einzelstück – nicht automatisch jede Shopify-Variante. Der Test ist einfach:

Ändert sich durch die Variante eine Pflichtangabe – Materialzusammensetzung, Herkunftsland, Zertifikat, Rezyklatanteil? Wenn ja, braucht die Variante einen eigenen Pass. Wenn nein, genügt ein gemeinsamer Pass auf Modellebene.

Das Rechenbeispiel. Ein T-Shirt in fünf Größen und drei Farben hat 15 Varianten in Shopify. Wie viele Pässe sind das?

  • Der Größenlauf teilt sich einen Pass. S bis XL stammen aus demselben Stoff derselben Weberei, mit identischer Zusammensetzung, Herkunft und Zertifizierung. Es unterscheiden sich Schnittmenge und Gewicht – keine der maßgeblichen Pflichtangaben.
  • Die Farben sind der kritische Fall. Weiß ist ungefärbt, Schwarz durchläuft einen zusätzlichen Färbeprozess, und Grau-Melange enthält in der Textilpraxis fast immer einen Viskose- oder Polyesteranteil, den das weiße Basisteil nicht hat. Damit unterscheiden sich Zusammensetzung, teilweise der Färbebetrieb und die Zertifikatsnummer des Lieferanten.

Ergebnis: drei Pässe, nicht 15 und nicht einer. Der Aufwand sinkt gegenüber der Variantenzahl um 80 Prozent – aber nur, wenn Sie die Regel bewusst setzen. Wer pauschal einen Pass pro Modell vergibt, macht eine falsche Materialangabe für zwei Drittel des Sortiments; wer pauschal einen Pass pro Variante vergibt, erhebt dieselben Daten fünfmal und druckt fünfmal so viele Codes.

Legen Sie diese Regel einmal für das gesamte Sortiment fest, nicht artikelweise. Sie bestimmt die Anzahl der Pässe, die Anzahl der QR-Codes und damit die Druckkosten. Für Textilien gilt zusätzlich: Prüfen Sie die Farbvarianten immer gegen das Techpack, nicht gegen den Shop-Titel. Branchenspezifische Details stehen auf der Seite für Textilunternehmen.

Schritt 2: Fehlende Pflichtangaben ergänzen

Die rechte Spalte der Tabelle oben ist Ihre Aufgabenliste. Die Quellen dafür liegen fast immer außerhalb des Shops: Lieferantenrechnung und Ursprungszeugnis, Techpack und Spezifikation, Materialdatenblatt und Zertifikatsscan.

Der wirksamste Kniff: pro Produktfamilie erheben, nicht pro SKU. Fünfzig Artikel aus derselben Baumwollqualität teilen sich Zusammensetzung, Herkunft und Zertifikat – Sie recherchieren einmal und übertragen. Größere Bestände bringen Sie per CSV- oder Excel-Import ein, den Rest tragen Sie manuell nach; KI-Vorbefüllung nimmt Ihnen wiederkehrende Felder ab.

Wichtig bleibt die Verantwortung: Eine Vorbefüllung ist ein Vorschlag, kein Nachweis. Prozentangaben und Zertifikatsnummern gehören belegt, weil Sie für die Richtigkeit haften. Wie viel Zeit realistisch pro Artikel anfällt, rechnet der Kosten-Ratgeber durch; die Felder im Einzelnen erklärt die Anleitung Digitalen Produktpass erstellen.

Shopify-Metafelder: was sie können und was nicht

„Legen Sie Ihre Nachhaltigkeitsdaten in Metafeldern ab” ist ein verbreiteter Rat – und er greift zu kurz. Metafelder sind frei definierbare, typisierte Zusatzfelder an Produkten und Varianten. Sie lassen sich per CSV befüllen, im Theme ausgeben und über die API auslesen. Als Ablageort sind sie ausgezeichnet.

Was sie nicht leisten:

  • Keine Validierung. Ein Metafeld nimmt entgegen, was Sie hineinschreiben. Es prüft nicht, ob sich die Materialanteile auf 100 Prozent summieren, ob das Herkunftsland zur Zertifikatsnummer passt oder ob ein Pflichtfeld Ihrer Produktgruppe überhaupt ausgefüllt ist. Ein fehlender Wert erzeugt keine Warnung, sondern eine leere Stelle im Theme.
  • Keine Versionierung. Shopify führt keine nachvollziehbare Historie darüber, wer wann welchen Wert geändert hat. Gegenüber der Marktüberwachung müssen Sie aber belegen können, was der Pass zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens ausgesagt hat.
  • Keine eigenständige Pass-Seite. Eine Theme-Seite hängt an Ihrem Shop, Ihrer URL-Struktur und Ihrem Template. Sie ist auch kein maschinenlesbares Passdokument, sondern gerenderte Verkaufsoberfläche.
  • Keine Persistenz der Codes. Der QR-Code auf dem Produkt lebt länger als jedes Theme. Wird der Shop migriert, umgebaut oder geschlossen, zeigen gedruckte Codes ins Leere.
  • Keine Registeranbindung. Das kommende EU-Register erwartet eine definierte Kennung und eine Datenübermittlung – beides leistet ein Metafeld nicht.

Wann Metafelder trotzdem genügen: bei einer überschaubaren Zahl von Artikeln, vor Ihrem Stichtag, für freiwillige Nachhaltigkeitsangaben ohne Nachweispflicht und solange keine QR-Codes im Umlauf sind. Als strukturierte Vorstufe sind sie sogar sinnvoll – Sie sammeln die Daten schon an der richtigen Stelle.

Wann sie aufhören zu genügen: ab dem Moment, in dem ein delegierter Rechtsakt den Pass für Ihre Produktgruppe verpflichtend macht, ab dem ersten gedruckten QR-Code, ab der ersten Prüfanfrage – und praktisch ab etwa fünfzig betroffenen Artikeln, weil manuelle Vollständigkeitskontrolle dann nicht mehr funktioniert.

Schritt 3: Den Produktpass auf der Produktseite einbinden

Jetzt wird der Pass sichtbar. Auf der Shopify-Produktseite erscheint ein Widget – ein kompakter Block, der auf die vollständige, öffentliche DPP-Seite des Artikels verweist.

Das ist keine Fleißaufgabe, sondern eine Rechtspflicht. Beim Fernabsatz muss der Zugang zum Produktpass bereits im Angebot verfügbar sein, nicht erst auf dem gelieferten Produkt: Kundinnen und Kunden sollen die Informationen vor der Kaufentscheidung einsehen können. Die Verpflichtung, den Zugang zu den vorgeschriebenen Informationen auch im Fernabsatz sicherzustellen, ergibt sich aus der Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781. Was daraus für Onlinehändler folgt, behandelt der Beitrag DPP im E-Commerce im Detail.

Drei Dinge sollten Sie nach dem Einbinden prüfen: Ist das Widget ohne Login erreichbar? Ist es auf dem Smartphone sichtbar und nicht hinter einem zugeklappten Tab verborgen? Und wechselt es korrekt mit, wenn Kundinnen die Variante umschalten – sofern Ihre Farben eigene Pässe haben?

Mehrere Märkte und Sprachen

Wer über Shopify Markets mehrere Länder bedient, hat eine Storefront je Markt – oft mit eigener Domain oder eigenem Unterordner, eigener Sprache und teils eigenen Template-Einstellungen. Für den Produktpass folgt daraus zweierlei.

Territorial: Der Pass hängt am Produkt, die Pflicht am Markt. Maßgeblich ist, in welchem EU-Mitgliedstaat Sie anbieten – dort muss der Zugang im Angebot verfügbar sein. Bedienen Sie Deutschland, Frankreich und Polen, muss das Widget in jeder dieser Storefronts erscheinen, nicht nur in der deutschen. Prüfen Sie das einzeln: Marktspezifische Templates sind die häufigste Ursache dafür, dass ein Block in einer Sprachversion fehlt, während er in der Hauptdomain korrekt sitzt. Für Nicht-EU-Märkte wie die Schweiz, das Vereinigte Königreich oder die USA greift die ESPR-Pflicht nicht; das Widget dort stehen zu lassen, schadet aber nicht.

Sprachlich: Verbraucherinformationen müssen im EU-Produktrecht üblicherweise in einer Sprache vorliegen, die von den Verbrauchern des jeweiligen Mitgliedstaats leicht verstanden wird – welche das ist, legt der Mitgliedstaat fest. Rechnen Sie also damit, die verpflichtenden Inhalte in der Sprache des Ziellandes bereitstellen zu müssen.

Noch nicht geklärt ist, in welchem Umfang der gesamte Pass übersetzt vorliegen muss und welche Felder als codierte Werte sprachneutral bleiben. Das regeln die produktgruppenspezifischen Rechtsakte und die zugehörigen Normen – der Beitrag zu Normen und Standards ordnet den Stand ein. Starten Sie deshalb kein Übersetzungsprojekt auf Verdacht, halten Sie das Datenmodell aber übersetzbar: freien Text von codierten Werten wie Materialbezeichnungen trennen.

Schritt 4: QR-Codes für Etikett und Verpackung

Der zweite Zugangsweg ist der Datenträger am physischen Produkt. Er zeigt auf dieselbe öffentliche DPP-Seite wie das Widget.

Format. Für den Druck brauchen Sie eine Vektordatei (SVG, EPS oder PDF): beliebig skalierbar, ohne Interpolationsartefakte an den Modulkanten. Ein hochskaliertes PNG erzeugt genau die weichen Kanten, an denen Scanner auf kleinen Etiketten scheitern. Rastergrafiken sind für Bildschirmanwendungen richtig, für die Druckerei nicht.

Größe und Ruhezone. Als Anhaltswert scannen Codes auf Papieretiketten ab etwa 15 mm Kantenlänge zuverlässig; entscheidend ist aber nicht die Fläche, sondern die Modulgröße. Und die hängt an der URL: Je kürzer die Adresse, desto weniger Module, desto größer jedes einzelne – ein Grund, das Adressschema kurz zu halten. Rund um den Code gehört eine freie Ruhezone von mindestens vier Modulen; ein Code, der bis an eine Naht, eine Falz oder den Etikettenrand läuft, wird nicht gelesen. Dunkel auf hell, keine invertierten Codes, keine metallischen oder glänzenden Untergründe.

Platzierung. Welcher Träger passt, hängt am Produkt:

TrägerStärkeSchwäche
Eingenähtes EtikettBleibt über die Produktlebensdauer erhaltenKlein, schwieriges Material, Abrieb durch Wäsche
HangtagGroß, gut bedruckbar, günstigWird beim ersten Gebrauch entfernt
VerpackungViel Platz, guter DruckVerschwindet mit dem Karton
Beipackzettel, Aufbau- oder PflegeanleitungPasst zu Möbeln und MatratzenWird oft weggeworfen
LieferscheinNachrüstbar für bereits produzierte BeständeÜbergangslösung, keine dauerhafte Kennzeichnung

Weil der Pass über die Lebensdauer erreichbar bleiben soll, braucht es mindestens einen dauerhaften Träger. Für ein Textil heißt das: Hangtag allein genügt nicht.

Persistenz. Der teuerste Fehler ist kein Druckfehler, sondern ein Adressfehler. Ein QR-Code auf einem Möbelstück muss in acht Jahren noch auflösen. Klären Sie vor dem ersten Druckauftrag: Wem gehört die Domain, auf die der Code zeigt? Was passiert bei einem Anbieterwechsel? Lässt sich das URL-Schema umleiten, ohne die gedruckten Codes zu entwerten? Warum ein strukturiertes Adressschema hier hilft, erklärt der Beitrag zum GS1 Digital Link.

Test. Scannen Sie das echte Druckmuster mit einem normalen Telefon – bei schlechtem Licht, aus Armlänge, bei Textilien nach einem Waschgang. Nicht den Bildschirmproof.

Schritt 5: Pflege im laufenden Betrieb

Ein Produktpass ist kein Projekt mit Enddatum. Drei Routinen halten ihn aktuell:

  • Neue Artikel: Der Pass gehört in den Anlageprozess. Ohne vollständige Pflichtangaben geht ein betroffener Artikel nicht live.
  • Lieferantenwechsel: Ändert sich Zusammensetzung, Färbung oder Herkunft, entsteht eine neue Version des Passes – versioniert und damit gegenüber der Marktüberwachung nachweisbar.
  • Ablaufdaten: Zertifikate laufen aus. Legen Sie Wiedervorlagen an, statt es beim Audit zu bemerken.

Und benennen Sie eine zuständige Person. Ein Produktpass ohne Eigentümer veraltet innerhalb einer Saison.

Automatisierung bei wachsendem Sortiment

Bei zwanzig Artikeln ist Handarbeit unproblematisch. Bei einem Sortiment, das jede Saison um Dutzende Artikel wächst, entscheidet die Automatisierung darüber, ob der Produktpass ein Prozess bleibt oder quartalsweise zum Aufholprojekt wird. Die nützliche Trennlinie verläuft nicht zwischen „manuell” und „automatisch”, sondern zwischen Transport und Herkunft von Daten.

Automatisieren Sie den Transport:

  • Vorlagen je Produktfamilie. Eine Vorlage „Bio-Baumwolle Single Jersey 180 g” trägt Zusammensetzung, Herkunft, Zertifikat und Pflegehinweis; neue Artikel erben sie. Das ist der mit Abstand größte Hebel – er reduziert die Arbeit pro Neuartikel auf die tatsächlichen Abweichungen.
  • Sammelbearbeitung für Felder, die über eine ganze Charge identisch sind: Entsorgungshinweis, Herstellerkontakt, Rücknahmeinformation.
  • Plausibilitätsprüfungen: Summieren sich die Anteile auf 100 Prozent? Ist ein Pflichtfeld leer, ein Zertifikat abgelaufen? Solche Regeln fangen die Fehler, die bei wachsendem Volumen unsichtbar werden.
  • Erinnerungen an auslaufende Zertifikate und an Artikel ohne vollständigen Pass.

Manuell bleiben muss die Herkunft. Zertifikatsnummern, Herkunftsangaben, Rezyklatanteile und CO₂-Werte sind Aussagen gegenüber Behörden und Verbrauchern – sie brauchen ein Dokument dahinter und eine Person, die sie bestätigt. KI-Vorbefüllung ist eine Schreibhilfe für wiederkehrende, nicht nachweispflichtige Felder: einen Pflegehinweis formulieren, eine Materialbezeichnung vereinheitlichen, eine Beschreibung strukturieren. Sie ersetzt keinen Nachweis. Wer das Produkt in Verkehr bringt, haftet für die Angabe – unabhängig davon, wer oder was sie eingetragen hat.

Typische Stolpersteine im Shopify-Setup

  1. Varianten sprengen den Aufwand. Wer jeder Variante blind einen eigenen Pass gibt, vervielfacht Datenerhebung und Druckkosten. Erst die Ebenen-Regel, dann der Import.
  2. Materialdaten liegen im Lieferanten-PDF. Ein Techpack als Scan ist keine Datenquelle. Fragen Sie Lieferanten mit einer strukturierten Vorlage ab, nicht mit der Bitte, „Unterlagen zu schicken” – etwa mit dem Lieferantenfragebogen für den Digitalen Produktpass.
  3. Theme-Konflikte verstecken das Widget. Ältere oder stark angepasste Themes platzieren Blöcke unerwartet – oder das Widget landet unter einem Sticky-Add-to-Cart. Immer mobil, im Variantenwechsel und in jeder Markt-Storefront gegenprüfen.
  4. Codes gedruckt, bevor das URL-Schema final ist. Zehntausend Etiketten neu zu drucken kostet mehr als jede DPP-Software. Erst die Adressen festzurren, dann die Druckerei beauftragen.
  5. Nach dem Launch ist niemand zuständig. Der Pass gilt als erledigt, das Sortiment dreht sich weiter – ein Jahr später stimmt die Hälfte der Angaben nicht mehr.

Was Shopify selbst nicht löst

Shopify ist ein hervorragender Ausgangspunkt, aber keine DPP-Lösung: keine nativen DPP-Felder, keine eigenständige öffentliche Pass-Seite, keine Versionierung von Produktpassdaten und keine Anbindung an das kommende EU-Register, dessen Aufbau der Beitrag zum EU-DPP-Register beschreibt.

Genau diese Punkte trennen ernsthafte Werkzeuge von QR-Code-Generatoren mit DPP-Etikett. Welcher Anbietertyp zu welchem Unternehmen passt, ordnet der DPP-Software-Vergleich ein.

So starten Sie konkret

Der pragmatische Weg für einen Shopify-Shop: Rolle klären, Ebenen-Regel für Varianten festlegen, Testartikel importieren, einen einzigen Pass vollständig durcharbeiten – und erst dann das Sortiment. An einem echten Artikel merken Sie in zwei Stunden, welche Daten Ihnen wirklich fehlen; an einer Tabelle merken Sie es nie.

Wenn Sie das direkt in Ihrem Shop umsetzen möchten: Wie die DPP-App von SolveDPP Import, Validierung, Widget und QR-Code zusammenführt, steht auf der Startseite; die Pläne inklusive kostenlosem Einstieg finden Sie in der Preisübersicht.

Häufige Fragen

Wie binde ich einen Digitalen Produktpass in Shopify ein?

Über eine DPP-App aus dem Shopify App Store. Der Ablauf ist immer derselbe: App installieren, Produkte und Varianten aus dem Shop importieren, die fehlenden Pflichtangaben ergänzen und veröffentlichen. Jeder Artikel erhält dann eine öffentliche DPP-Seite mit QR-Code, und der Produktpass erscheint als Widget auf Ihrer Shopify-Produktseite – ohne dass Sie Theme-Code schreiben müssen.

Hat Shopify eine native DPP-Funktion?

Nein. Shopify kennt keine Produktpass-Felder, keine Validierung gegen die Pflichtangaben der ESPR oder der EU-Batterieverordnung und keine öffentliche, dauerhaft erreichbare Pass-Seite. Sie können Daten in Metafeldern ablegen, aber daraus entsteht noch kein konformer Produktpass. Für die Erstellung, Prüfung und Veröffentlichung brauchen Sie eine App oder eine externe Lösung.

Reichen Shopify-Metafelder für den Produktpass?

Als reiner Speicherort ja, als Compliance-Lösung nein. Metafelder halten Werte, prüfen aber nicht, ob alle Pflichtangaben Ihrer Produktgruppe vorhanden und plausibel sind. Es fehlen die Vollständigkeitsprüfung vor der Veröffentlichung, die Versionierung von Änderungen, die maschinenlesbare öffentliche Pass-Seite und der zugehörige Datenträger. Genau diese vier Punkte machen den Unterschied zwischen gespeicherten Daten und einem Produktpass.

Muss der Produktpass auf der Produktseite sichtbar sein?

Ja. Im Fernabsatz – also beim Verkauf über das Internet – muss der Zugang zum Produktpass bereits im Angebot verfügbar sein, nicht erst auf dem gelieferten Produkt. Praktisch heißt das: ein Link oder ein Widget auf jeder Produktseite betroffener Artikel, erreichbar ohne Login und auch auf dem Smartphone.

Wie funktioniert der Produktimport aus Shopify?

Die App greift auf die bereits in Ihrem Shop gepflegten Produkt- und Variantendaten zu und übernimmt sie als Grundlage für die Produktpässe. Doppelte Datenpflege entfällt damit. Ergänzende Angaben, die Shopify nicht kennt – Herkunft, Materialanteile, Zertifikate –, bringen Sie per CSV- oder Excel-Import ein oder tragen sie manuell nach.

Was passiert mit meinen Varianten?

Varianten kommen beim Import mit. Die inhaltliche Entscheidung bleibt bei Ihnen: Ein Größenlauf desselben Modells teilt sich in der Regel einen Produktpass, weil Materialzusammensetzung, Herkunft und Zertifikate identisch sind. Farbvarianten brauchen dagegen häufig eigene Pässe, sobald sich Zusammensetzung, Färbung, Lieferant oder Zertifikat unterscheiden. Diese Regel sollten Sie einmal für das gesamte Sortiment festlegen, nicht pro Artikel neu.

Kann ich Produktpässe für Dropshipping-Produkte erstellen?

Technisch ja – rechtlich hängt alles an Ihrer Rolle. Handeln Sie fremde Markenware durch, ist der Hersteller für den Pass zuständig, und Sie müssen ihn nur im Angebot zugänglich machen. Verkaufen Sie White-Label- oder Print-on-Demand-Ware unter eigener Marke, sind Sie regulatorisch Hersteller und müssen den Pass selbst erstellen – inklusive Materialanteilen, Herkunft und Zertifikaten. Der eigentliche Engpass ist dabei nicht die Software, sondern der Lieferant: Viele Dropshipping-Anbieter liefern diese Daten bislang nicht.

Wie funktioniert der Produktpass mit Shopify Markets?

Der Produktpass hängt am Produkt, nicht am Markt. Maßgeblich ist, in welchem EU-Mitgliedstaat Sie das Produkt anbieten: Dort muss der Zugang zum Pass bereits im Angebot verfügbar sein. Wer über Shopify Markets mehrere EU-Länder bedient, sollte deshalb jede EU-Storefront einzeln prüfen – marktspezifische Domains, Templates und Spracheinstellungen können ein Widget unbemerkt verschlucken. Nicht abschließend geklärt ist bislang, in welchem Umfang der Pass übersetzt vorliegen muss; das regeln die produktgruppenspezifischen Rechtsakte.

Digitale Produktpässe mit SolveDPP erstellen

Mit der DPP-Software von SolveDPP erfassen, validieren und veröffentlichen Sie Produktpässe gemäß ESPR und EU-Batterieverordnung – inklusive Shopify-Import und KI-Unterstützung.