Ratgeber · Stand: Juli 2026

Ab wann ist der Digitale Produktpass Pflicht? Alle Fristen im Überblick

Die DPP-Pflicht kommt nicht auf einen Schlag, sondern branchenweise: Den Anfang macht der Batteriepass am 18. Februar 2027, danach folgen die ESPR-Produktgruppen. Hier finden Sie alle Stichtage – und was bis dahin zu tun ist.

Die DPP-Fristen im Überblick

StichtagBranche / ProduktgruppeRechtsgrundlageStatus
2026Elektronik: Geschirrspüler (Start des gestaffelten Rollouts)Energielabel-CarryoverLäuft an
19.07.2026Vernichtungsverbot unverkaufter Textilien (große Unternehmen)ESPR, Art. 25Fix
18.02.2027Batterien: EV-, Industrie- und LMT-Batterien (E-Bikes, E-Scooter)EU-Batterieverordnung 2023/1542Fix – erste harte DPP-Deadline
2027Textilien & BekleidungESPR, delegierter RechtsaktErwartet
2027ReifenESPR, delegierter RechtsaktErwartet
2027Reparierbarkeits-Anforderungen ElektronikESPR (horizontal)Erwartet
2028MöbelESPR, delegierter RechtsaktErwartet
2028Elektronik: Kühlgeräte, EV-LadegeräteEnergielabel-CarryoverGeplant
2029MatratzenESPR, delegierter RechtsaktErwartet
ca. 2030Spielzeug (DPP ersetzt die Konformitätserklärung)EU-Spielzeugverordnung 2025/2509Fix (Übergangsfrist)
2030Elektronik: Smartphones, TabletsEnergielabel-CarryoverGeplant

Wichtig zur Einordnung: Bei den ESPR-Produktgruppen bezeichnen die Jahreszahlen den nach aktueller EU-Planung erwarteten Zeitpunkt, ab dem der jeweilige delegierte Rechtsakt wirksam wird. Verbindlich wird die Pflicht mit Erlass des Rechtsakts plus Übergangsfrist (in der Regel 18 Monate) – die Planung kann sich also noch verschieben, die Richtung ist aber klar.

Batterien: Die erste harte Deadline (18. Februar 2027)

Der Batteriepass kommt nicht über die ESPR, sondern über die EU-Batterieverordnung 2023/1542 – und sein Stichtag steht fest: Ab dem 18. Februar 2027 braucht jede EV-, Industrie- (über 2 kWh) und LMT-Batterie einen digitalen Produktpass. „LMT” (Light Means of Transport) trifft direkt E-Bike- und E-Scooter-Marken. Erfasst werden müssen u. a. Zellchemie, Kapazität, CO₂-Fußabdruck, Recyclinganteile und Konformitätsnachweise.

→ Alles zur Umsetzung: Digitaler Batteriepass für E-Bikes & Akkus

Textil & Reifen: Die erste ESPR-Welle (ab 2027)

Textilien und Reifen stehen im ESPR-Arbeitsplan ganz oben. Die delegierten Rechtsakte werden nach aktueller Planung 2027 erwartet; die DPP-Pflicht greift dann nach der Übergangsfrist. Für Textilmarken gibt es zusätzlich einen früheren Fixtermin: Ab dem 19. Juli 2026 dürfen große Unternehmen unverkaufte Textilien und Schuhe nicht mehr vernichten – ein deutliches Signal, wie ernst die EU die Branche nimmt.

→ Branchen-Details: DPP für Textilunternehmen · DPP für Reifen

Möbel und Matratzen: 2028 und 2029

Möbel gehören zu den ESPR-Prioritäten; der delegierte Rechtsakt wird für 2028 erwartet, für Matratzen für 2029. Beide Branchen haben hohe D2C-Anteile – wer jetzt die Material-, Herkunfts- und Recyclingdaten aufbaut, verteilt den Aufwand über mehrere Jahre statt ihn in ein Deadline-Projekt zu pressen.

→ Branchen-Details: DPP für Möbel · DPP für Matratzen

Spielzeug: DPP statt Konformitätserklärung (ca. 2030)

Für Spielzeug entsteht der Produktpass über die neue EU-Spielzeugverordnung 2025/2509. Die Besonderheit: Der DPP ersetzt die bisherige Konformitätserklärung. Die Pflicht greift nach der Übergangsfrist ca. 2030 – viele Toy-Brands bereiten sich trotzdem schon vor, weil der Pass ihre zentralen Sicherheitsnachweise ablösen wird.

→ Branchen-Details: DPP für Spielzeug

Elektronik: Gestaffelter Rollout ab 2026

Elektronik und Haushaltsgeräte kommen nicht über einen einzelnen Stichtag, sondern gestaffelt in den DPP – über den Energielabel-Carryover (Geschirrspüler ab 2026, Kühlgeräte und EV-Ladegeräte ab 2028, Smartphones und Tablets ab 2030) plus horizontale Reparierbarkeits-Anforderungen der ESPR ab 2027.

→ Branchen-Details: DPP für Elektronik & Haushaltsgeräte

Was bis zur Frist zu tun ist

Unabhängig von der Branche folgt die Vorbereitung demselben Muster:

  1. 12–18 Monate vor dem Stichtag: Betroffenheit klären, Datenlücken analysieren, Lieferanten informieren.
  2. 6–12 Monate vorher: Material-, Herkunfts- und Nachweisdaten pro Artikel erfassen und validieren.
  3. Bis zum Stichtag: DPP-Seiten veröffentlichen, QR-Codes in Etiketten/Verpackung integrieren, Pflegeprozess etablieren.

Die Grundlagen zum Produktpass selbst – Datenkategorien, Technik, Umsetzung – finden Sie im großen Ratgeber Digitaler Produktpass. Und wenn Sie direkt starten wollen: Mit der DPP-Software von SolveDPP bringen Sie Ihren Katalog vor der Frist in einen prüfbaren, konformen Zustand.

Häufige Fragen

Ab wann ist der Digitale Produktpass Pflicht?

Die erste harte Frist ist der 18. Februar 2027: Ab dann ist der Batteriepass für EV-, Industrie- und LMT-Batterien (z. B. E-Bike-Akkus) verpflichtend. Die ESPR-Produktgruppen folgen schrittweise – Textilien und Reifen voraussichtlich ab 2027/2028, Möbel ab 2028, Matratzen ab 2029, Spielzeug ca. 2030.

Was ist die erste Branche mit DPP-Pflicht?

Batterien: Die EU-Batterieverordnung 2023/1542 schreibt den digitalen Batteriepass ab dem 18. Februar 2027 vor. Betroffen sind auch E-Bike- und E-Scooter-Marken, deren Akkus als LMT-Batterien gelten.

Gilt die DPP-Pflicht auch für kleine Unternehmen?

Ja. Die Pflicht knüpft an das Inverkehrbringen in der EU an, nicht an die Unternehmensgröße. Die ESPR sieht für KMU Unterstützungsmaßnahmen und teils längere Übergangsfristen vor, aber keine generelle Ausnahme vom Produktpass.

Was passiert, wenn ich die DPP-Frist verpasse?

Produkte ohne vorgeschriebenen Produktpass dürfen nach dem Stichtag nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht werden. Die Marktüberwachung der Mitgliedstaaten kann Verkaufsverbote, Rückrufe und Bußgelder verhängen; die konkreten Sanktionen legen die Mitgliedstaaten fest.

Wann sollte ich mit der Vorbereitung anfangen?

Rechnen Sie für Datenerhebung und Prozesse 6–18 Monate vor Ihrem Stichtag – je nach Sortimentsgröße und Datenlage in der Lieferkette. Die Beschaffung von Herkunfts- und Materialnachweisen dauert erfahrungsgemäß am längsten.

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