Digitaler Produktpass: Ein Beispiel, Element für Element erklärt
Verordnungstexte bleiben abstrakt – ein echter Produktpass nicht. An einem Textil-Beispiel zeigen wir, welche Elemente ein DPP enthält, warum jedes davon gefordert ist und wie Kundinnen und Behörden es sehen.
Das Beispiel: Ein Wäsche-Artikel mit Produktpass
Unser Beispiel stammt von der Wiener Marke Soda Lingerie, die mit SolveDPP Produktpässe für ihr Sortiment veröffentlicht – hier für den Artikel „Modal Soft Bra” (Art.-Nr. SL-2041). Auf dem eingenähten Etikett sitzt ein QR-Code; wer ihn scannt, landet auf der öffentlichen DPP-Seite des Artikels.
Gehen wir die Seite Element für Element durch – und schauen jeweils darauf, warum das Element dort steht.
1. Produktidentifikation
Ganz oben stehen Produktname, Marke und Artikelnummer – verbunden mit einer eindeutigen Kennung, über die genau dieser Artikel (und perspektivisch die einzelne Charge) adressierbar ist. Das ist die Grundlage jedes Produktpasses: Ohne eindeutige Zuordnung sind alle weiteren Daten wertlos.
2. Materialzusammensetzung
| Material | Anteil |
|---|---|
| TENCEL™ Modal | 60 % |
| Polyamid | 28 % |
| Elastan | 12 % |
Die vollständige Faserzusammensetzung in Prozent – nicht nur „Hauptmaterial” – gehört zu den Kernangaben für Textilien. Sie macht Produkte vergleichbar und ist die Basis für jede Recycling-Entscheidung am Lebensende.
3. Herkunft und Produktionsschritte
| Produktionsschritt | Standort |
|---|---|
| Faserherstellung | Lenzing, Österreich |
| Stoffproduktion | Guimarães, Portugal |
| Konfektion | Wien, Österreich |
Statt eines pauschalen „Made in EU” zeigt der Pass die Stationen der Lieferkette. Genau diese Herkunftstransparenz ist der Teil, der in der Praxis die meiste Vorarbeit kostet – und der im D2C-Verkauf am stärksten Vertrauen aufbaut.
4. Zertifikate und Nachweise
Im Beispiel: OEKO-TEX® Standard 100 und die TENCEL™-Zertifizierung. Wichtig ist hier weniger das Logo als die Prüfbarkeit: Im Produktpass hängen Zertifikate an Gültigkeitszeiträumen und Nachweisdokumenten, statt als bloße Behauptung auf der Produktseite zu stehen.
5. Pflege, Kreislauf und Rücknahme
Pflegesymbole, Reparaturhinweise und der Hinweis „Recycelbar · Rücknahme über Hersteller” schließen den Kreis: Der DPP soll nicht nur dokumentieren, sondern die längere Nutzung und das richtige Lebensende des Produkts aktiv unterstützen.
6. Der QR-Code als Datenträger
Der QR-Code am Etikett ist der vorgeschriebene Datenträger – der Pass selbst lebt online und bleibt aktualisierbar. Ändert sich ein Lieferant oder läuft ein Zertifikat aus, wird die DPP-Seite aktualisiert, ohne dass ein Etikett neu gedruckt werden muss; ältere Stände bleiben versioniert nachvollziehbar.
Was dieses Beispiel verallgemeinert
Das Textil-Beispiel folgt einem Muster, das für alle Branchen gilt – nur die Datenfelder ändern sich: Bei Batterien treten Zellchemie und CO₂-Fußabdruck an die Stelle der Fasern, bei Möbeln Holzarten und Ersatzteile, bei Reifen Rollwiderstand und Nasshaftung. Die vollständige Übersicht der Datenkategorien finden Sie im großen DPP-Ratgeber, die Stichtage je Branche in der Fristen-Übersicht.
Wie die Umsetzung bei Soda Lingerie ablief – vom Shopify-Import bis zum fertigen Pass – lesen Sie in der Case Study. Und wenn Sie ein solches Beispiel für Ihre eigenen Produkte bauen wollen: Die DPP-Software von SolveDPP erzeugt genau diese öffentlichen DPP-Seiten samt QR-Code.
Häufige Fragen
Wie sieht ein Digitaler Produktpass aus?
In der Praxis ist der DPP eine öffentlich abrufbare Produktseite, die per QR-Code am Produkt erreichbar ist. Sie zeigt strukturiert: Produktidentifikation, Materialzusammensetzung, Produktionsschritte mit Standorten, Zertifikate, Pflegehinweise und Angaben zu Recycling und Rücknahme.
Muss der Produktpass öffentlich zugänglich sein?
Ja, die für Endkundinnen und Behörden bestimmten Angaben müssen frei zugänglich sein – ohne Login oder App. Je nach Rechtsakt kann es zusätzlich Datenfelder geben, die nur bestimmten Akteuren wie Marktüberwachung oder Recyclern vorbehalten sind.
Reicht ein normales Pflegeetikett nicht aus?
Nein. Das physische Etikett bleibt, aber der DPP geht deutlich darüber hinaus: Er ist maschinenlesbar, enthält Herkunfts- und Konformitätsdaten und muss aktualisierbar sein. Der QR-Code am Etikett verbindet beide Welten.
Kann ich einen Produktpass schon vor der Pflicht veröffentlichen?
Ja – und viele Marken tun genau das. Transparenz zu Materialien und Herkunft wirkt als Verkaufsargument im D2C-Geschäft, und die Datenbasis ist aufgebaut, bevor die Pflicht greift.
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